Veröffentlicht: 03/07/2026

Ein praxisnaher Ansatz zum Fair Value im Kunst-Investing

An den börsennotierten Finanzmärkten stützt sich die Preisbildung auf häufige Transaktionen, standardisierte Daten und vergleichsweise hohe Liquidität. Bei Kunst und Collectibles funktioniert das anders. Jedes Werk ist einzigartig, die Transaktionsdaten sind fragmentiert und Vergleichsverkäufe sind selten wirklich eins zu eins vergleichbar. Deshalb solltest du den Fair Value in diesem Markt als begründete Schätzung auf Basis der verfügbaren Evidenz verstehen – nicht als fixe, objektive Wahrheit.

Warum Fair Value bei Kunst anspruchsvoller ist

Ein Kunstwerk zu bewerten ist etwas anderes, als eine börsennotierte Aktie zu bewerten. In der Finanzberichterstattung wird Fair Value in der Regel als der Preis definiert, zu dem ein Asset in einer geordneten Transaktion zwischen Marktteilnehmern zum Bewertungsstichtag veräußert würde. Im Kunstmarkt gibt es jedoch selten einen kontinuierlichen, transparenten Markt, der diesen Preis in Echtzeit liefert. Stattdessen basiert die Bewertung darauf, verschiedene Signale aus öffentlichen und privaten Quellen zu sammeln und zu interpretieren.

Die Bausteine einer Fair-Value-Einschätzung

Bei Splint Invest bestimmst du den Fair Value auf Basis einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Faktoren. Auktionsresultate liefern oft die klarsten öffentlichen Benchmarks, weil sie tatsächlich erzielte Preise abbilden. Vergleichstransaktionen helfen dir, ein Werk in einem breiteren Preisrahmen einzuordnen – unter Berücksichtigung von Kriterien wie Künstler, Werkphase, Medium, Format, Provenienz und Zustand. Private Verkäufe geben zusätzliche Hinweise zur aktuellen Nachfrage, sind aber meist weniger transparent als Auktionen. Galeriepreise – insbesondere im Primärmarkt – zeigen dir, wie ein Künstler kommerziell positioniert ist.

Über die Transaktionsdaten hinaus spielt die Marktliquidität eine zentrale Rolle. Ein Werk kann auf dem Papier sehr wertvoll wirken, aber ob du zu diesem Wert tatsächlich handeln kannst, hängt davon ab, wie aktiv und tief der Markt für genau diesen Künstler oder diese Kategorie ist. Externe Expertengutachten ergänzen das Bild um fachliche Einschätzungen zu Qualität, Seltenheit, kunsthistorischer Relevanz und Vermarktbarkeit.

Warum Comparables nie perfekt sind

Einer der grössten Herausforderungen bei der Kunstbewertung ist, dass keine zwei Werke identisch sind. Selbst innerhalb des Marktes eines einzelnen Künstlers können Unterschiede in Grösse, Motiv, Entstehungsjahr, Ausstellungshistorie, Provenienz, Medium und Zustand den Preis deutlich beeinflussen. Ein starkes Auktionsergebnis kann sehr aussagekräftig sein – es überträgt sich aber nicht automatisch eins zu eins auf ein anderes Werk.

Deshalb reicht es nicht, nur Daten zu sammeln; du musst sie interpretieren. Vergleichsverkäufe sind essenziell, müssen aber immer im Kontext adjustiert werden. In der Praxis entsteht der Fair Value, indem du diese Comparables sorgfältig gewichtest – und eben nicht, indem du eine einfache Formel anwendest.

Die Rolle der Subjektivität

Kunstbewertung ist zwangsläufig subjektiv, weil der Markt selbst von menschlichen Entscheidungen geprägt ist. Sammelgeschmack verändert sich, institutionelle Aufmerksamkeit verschiebt sich, die Forschung entwickelt sich weiter und die allgemeine Marktstimmung beeinflusst die Nachfrage. Zwei Expert:innen können denselben Datensatz sehen und dennoch zu unterschiedlichen, aber jeweils vertretbaren Schlussfolgerungen kommen.

Das heisst jedoch nicht, dass Bewertung beliebig ist. Es bedeutet, dass eine solide Bewertung Evidenz mit Expertise verbindet. Ziel ist es nicht, Sicherheit vorzutäuschen, wo es sie nicht gibt, sondern eine disziplinierte, gut begründete Einschätzung auf Basis der besten verfügbaren Informationen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu geben.

Warum das für dich als Investor wichtig ist

Wenn du in Kunst und Collectibles investierst, ist dieses Verständnis entscheidend. Du solltest Fair Value nicht als garantierten Verkaufspreis lesen, sondern als transparente Schätzung, die den aktuellen Marktstand, Vergleichsdaten, Liquiditätsaspekte und fachliche Bewertungen widerspiegelt. Gerade bei alternativen Anlagen, in denen die Märkte oft weniger effizient und weniger transparent sind als in der klassischen Finanzwelt, ist diese Einordnung entscheidend.

Ein starker Bewertungsprozess reduziert Unsicherheit, verbessert die Vergleichbarkeit und unterstützt fundierte Entscheidungen. Gleichzeitig muss er ehrlich kommuniziert werden: Im Bereich Kunst und Collectibles ist Fair Value nie eine absolute Tatsache. Es ist eine begründete Schätzung – getragen von Daten, Erfahrung und Marktverständnis.

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Aurelio Image CEO

Aurelio

CEO & Mitgründer